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Das Netz

Rezension von Rang 6: Ministerialen  Ancalagon

Autor:
Wolfgang Hohlbein
1099577512
Jahr:
-
Originaltitel:
Das Netz
Muss ich haben:
Die Bewertung von Ancalagon:
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Review:

Eine düstere Vision: die Welt ist total abhängig vom allesumspannenden Netz. Alles wird darüber gesteuert und kontrolliert (à la 1984). Werbebotschaften erscheinen einem als Hologramme direkt ins Gehirn projiziert. In dieser Welt ist das schwerste Verbrechen überhaupt der Netzterrorismus, der vom gefürchteten NAD (Netz Abwehr Dienst) bekämpft wird.

Gabriel Richter hat die einzigartige Gabe, im Netz zu surfen ohne Interface, also nur mit Gedanken. Dazu weiss er Bescheid über die ursprünglichen, physikalischen Datenpfade, was ihm einen immensen Vorteil als Hacker (eher Cracker, aber das nimmt Hohlbein nicht so genau) verschafft. Zusammen mit seiner Ex Kristina zieht er Drogendeals mit geklauen Formeln durch. Doch eines Tages gerät er zu tief ins Netz, irgenetwas verändert sich. Plötzlich sieht er Gestalten, beobachtet Vorgänge, die vom Netz und dem NAD abgestritten werden. Als er bei einer Musikveranstaltung unbeabsichtigt ein Massaker auslöst, weil er scheinbar durch Gedanke Polizeihubschrauber in die Menge abstürzen lässt, flieht er mit der übergelaufenen Polizistin Laura un die Unterwelt.

Man sieht bis zum Schluss keinen Zusammenhang in den Ereignissen. Es wird gehetzt und verfolgt, Vertraute werden zu Verrätern wie in einem schlechten Krimi. Die Lage spitzt sich gegen Ende des Romanes zu, die Spirale dreht sich schneller, und, üblich bei Hohlbein, scheint die Welt aus den Angeln zu geraten.

Fazit: Die nicht mehr ganz neue Idee vom gefährlichen Computernetz (siehe 'der Schockwellenreiter' von John Brunner (1970) und '1984' von George Orwell (1944)) wird mit zu langatmigen - zum Teil sich wiederholenden - Ausflügen in die Virtualität versetzt. Es gelingt Hohlbein nicht, den Leser mitzureissen, die Spannung wir erst auf den letzten 50 Seiten unerträglich, doch auch dort ist das Ende klar: die Gesellschaft wird Opfer ihres eigenen Erfolges. Protagonisten werden am Laufmeter verheizt. Einzig die Frage 'Wer ist der Böse, wer das Opfer?' bleibt bis ganz am Schluss offen, die Lösung jedoch ist zu banal und enttäuschend.

Gute Ansätze hat es trotzdem, so wird z.B. die Thematik der i) individuellen und ii) allgegenwärtigen Werbung (hier: in belebten Strassen durch Laser in die Retina projiziert) angesprochen.

Weitere Informationen:

Dieses Buch scheint mir von Brunners Schockwellenreiter inspiriert zu sein.
Dieses Buch scheint mir ebenfalls von Orwells 1984 inspiriert zu sein.

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